Springpfuhl in der Warteschleife: Warum die ökologische Sanierung nicht vorankommt

Der Springpfuhlteich bleibt trotz laufender Pflegearbeiten weiterhin in einem ökologisch problematischen Zustand. Auf meine Anfrage zur Reinigung des Gewässers hat das Bezirksamt nun detailliert Stellung genommen.

Das Straßen- und Grünflächenamt  führt regelmäßig Kontrollen durch und beseitigt Müll und Unrat im und um den Teich. Im Frühjahr 2025 wurden etwa zwei umgestürzte Bäume aus dem Wasser geborgen. Doch eine grundlegende Sanierung des stark belasteten Gewässers lässt weiterhin auf sich warten.

Laut Bezirksamt fehlt es derzeit an  personellen Ressourcen, um die notwendigen Analysen und Planungen für eine ökologische Sanierung zügig voranzubringen. Die erforderliche Trophieklassenbestimmung, ein zentraler Bestandteil für die Planung von Gegenmaßnahmen, kann voraussichtlich erst 2026 ausgeschrieben und durchgeführt werden. Mit konkreten Ergebnissen rechnet das Amt frühestens im Herbst 2026.

Finanziell ist die Situation angespannt: Für sämtliche Kleingewässer im Bezirk stehen dem SGA im Jahr 2025 lediglich 40.000 Euro zur Verfügung – dieselbe Summe wie im Vorjahr. Erst 2026 wird das Budget auf 80.000 Euro aufgestockt. Fördermittel für ein umfassendes Sanierungskonzept werden zwar angestrebt, stehen bislang jedoch nicht zur Verfügung.

Fazit: Der Weg zu einem gesunden Springpfuhlteich ist lang – aber nicht aussichtslos. Vorausgesetzt, es gelingt die finanziellen und personellen Ressourcen für dieses Projekt zu bekommen.

Den genauen Wortlaut der Antwort auf meine Anfrage können Sie hier nachlesen:

Zur Reinigung des Springpfuhlteichs

Frage 1: Welche Fortschritte kann das Bezirksamt zur Reinigung des Springpfuhlteichs mitteilen?

Das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) führt regelmäßige Kontrollen im Bereich des Springpfuhlteiches sowie seiner Umgebung durch. Dabei werden Müll und Unrat sowohl entlang der Uferbereiche als auch in der umliegenden Umgebung eingesammelt. Im April 2025 wurden beispielsweise zwei umgestürzte Bäume aus dem Springpfuhlteich geborgen. Zudem ist das SGA noch immer bestrebt, mit den vorliegenden Analysen und Gutachten ein Projekt zur ökologischen Sanierung des Springpfuhlteiches zu entwickeln und dazu Fördergelder zu akquirieren. Hierzu wird auch Kontakt zur Berliner Regenwasseragentur aufgenommen. Aufgrund der erhöhten Aufgabenfülle bei Landschaftsbauprojekten im Zuge der Schulbauoffensive verzögert sich die weitere Bearbeitung. Die Durchführung der Trophieklassenbestimmung gemäß LAWA wird sich ebenfalls noch bis ins Jahr 2026 hinziehen. Der Grund dafür ist, dass die Leistung bisher aus kapazitären Gründen noch nicht ausgeschrieben werden konnte. Die Ergebnisse, die im Rahmen dieser Untersuchungen erzielt werden, helfen dem Umwelt- und Naturschutzamt dabei, die Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen abzuleiten. Idealerweise stimmen diese Maßnahmen zumindest in Teilen mit den Vorschlägen aus dem hydrogeologischen Gutachten des Straßen- und Grünflächenamtes von 2021 überein. Allerdings ist mit konkreten Ergebnissen erst im Herbst 2026 zu rechnen.

Frage 2: Welche Finanzierungen stehen für die Reinigung zur Verfügung?

Das Umwelt- und Naturschutzamt prüft weitergehende Finanzierungsmöglichkeiten, hat selbst jedoch keinen Titel, aus dem Maßnahmen finanziert werden können. Das SGA ist ebenfalls noch immer bestrebt, mit den vorliegenden Analysen und Gutachten ein Projekt zur ökologischen Sanierung des Springpfuhlteiches zu entwickeln und dazu Fördergelder zu akquirieren. Dem Straßen- und Grünflächenamt standen im Jahr 2024 40.000 € für die Reinigung aller Kleingewässer in Marzahn-Hellersdorf zur Verfügung. Diese Mittel wurden vollständig ausgeschöpft. Für das Jahr 2025 stehen ebenfalls 40.000 € zur Verfügung. Für das Jahr 2026 stehen dem Straßen- und Grünflächenamt 80.000 € zur Verfügung.

Frage 3: Kann das Beispiel des Reinickendorfer Schäfersees ein Vorbild sein?

Der Springpfuhl fungiert als Regenrückhaltebecken ohne Vorreinigung. Das bedeutet, dass er ständig hohen Belastungen durch Straßenabwässer, Hundekot, Laub und anderen urbanen Einträgen ausgesetzt ist. Diese Einträge bringen große Mengen an Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff in das Gewässer, was zu einer Eutrophierung führt. Aufgrund dieser Problematik, insbesondere der Funktion des Springpfuhls als Regenrückhaltebecken mit den damit verbundenen externen Nährstoffeinträgen, ist eine direkte Übertragung des Schäfersee-Verfahrens auf den Springpfuhl sehr kritisch zu sehen. Es ist wahrscheinlich nicht nachhaltig, nur dieses Verfahren anzuwenden. Bevor über aufwändige Sanierungsmaßnahmen wie am Schäfersee nachgedacht wird, müssen zunächst umfassende Maßnahmen zur Reduzierung der externen Nährstoffeinträge umgesetzt werden. Nur wenn die Zufuhr von Schmutz- und Nährstoffen aus dem Einzugsgebiet deutlich verringert wird, kann eine anschließende Sanierung des Springpfuhls langfristig erfolgreich sein. Andernfalls würde viel Ressourcen investiert, ohne dass eine dauerhafte Verbesserung erreicht wird. Zum Schäferseeverfahren selbst ist zu sagen, dass die mediale Berichterstattung dazu oft zu unkritisch ist und häufig ohne ausreichende limnologische Expertise erfolgt. Es ist derzeit unklar, welche langfristigen Folgen das Verfahren für den Schäfersee haben wird und ob das Gewässer sich ohne zusätzliche Maßnahmen wieder zu einem wertvollen Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt entwickeln kann.

 

veröffentlicht am 01.08.2025